Familie auf Weltreise: Freigeister Teil 6

Mit der Familie auf Weltreise gehen, das war der Traum von Mirjam und Michael Mettler: Einfach die beiden Kinder und das Nötigste zum Leben einpacken – und auf zu neuen Abenteuern. Also löste die Familie ihren kompletten Hausstand auf, verschenkte Möbel und Auto und reduzierte ihr gesamtes Hab und Gut auf vier Fahrradtaschen. Über ein halbes Jahr reisten „die Mettlers“ danach auf ihren Fahrrädern durch Zentralamerika und die Karibik. Wie diese Zeit ihr Leben grundlegend veränderte und was die Familie auf Weltreise als nächstes plant, erzählt uns Michael Mettler in Teil 6 unserer Serie „Freigeister – Außergewöhnliche Outdoor-Projekte“.

Hallo Michael! Zwei Fahrräder, zwei Kleinkinder und zwei Eltern mit mutigen Plänen. Ende 2017 habt ihr euch als Familie auf Weltreise gemacht. Wo genau wart Ihr und wie sah Euer Reisealltag aus?

Michael: Wir waren unterwegs unter der Sonne Zentralamerikas, in Costa Rica und Panama. Danach ging es in die Dominikanische Republik, mit dem Schiff nach Deutschland und dann noch nach Israel. Der Alltag bestand aus Reisetagen und aus Tagen, an denen wir einfach an einem Fleckchen Erde verweilten, um es näher kennenzulernen und zu genießen. Beides war immer sehr spannend. Die Reisetage, weil wir da immer an neue Orte kamen und unterwegs viel erlebten. Die „Ruhetage“, weil wir Land und Leuten näherkamen. Diese Mischung könnte ich ewig erleben.

Was war das Schönste an diesem „immer Unterwegssein“?

Michael: Die Zeit mit der Familie. Das spontane Leben und die Herausforderungen auf der Reise. Die Momente des Ankommens an einem neuen Ort und die Momente der Abreise. Das Unterwegssein an sich. Egal wie schnell, egal wohin.

Was braucht man, um das Projekt „Familie auf Weltreise“ durchzuziehen?

Michael: Diese Frage würde ich gerne an meinen Psychiater weitergeben ????

Spaß beiseite. Ich höre immer wieder Worte wie Naivität, Mut und Wille. Ich glaube, das reicht völlig aus. Denn ob du in einem Haus lebst oder mit dem Fahrrad reist, das Leben hält überall und immer wieder Hürden und Stolpersteine bereit.

Und wie gingen die Kinder mit diesem unkonventionellen Leben um?

Michael: Die Kinder haben dieses unkonventionelle Leben gar nicht so bemerkt. Für sie war es vor allem toll, dass die Eltern um sie herum waren – 24 Stunden am Tag und sicher relaxter als im Alltag zu Hause. Die Kinder haben auch unterschiedlich auf die neue Situation reagiert. Nathan ging auf alle Menschen zu und war sehr neugierig. Elea war lange sehr zurückhaltend. Beide haben jedoch eine Art Teamgedanken kennengelernt, der heute noch nachhallt. Außerdem hat Nathan sehr gut Spanisch gelernt und Elea die Natur genossen. Trotz den sehr positiven Erfahrungen haben aber beide die Großeltern sehr vermisst.

Deshalb seid ihr dann auch erstmal wieder zurückgekehrt?

Michael: Ja genau! Und weil unser Partner, der die weitere Reise finanziell unterstützen wollte, spontan ausstieg. Denn die brutalste Hürde bei so einem Projekt wie Familie auf Weltreise ist natürlich das Geld. Man hat einen Traum, würde sehr viel dafür tun, es hängt jedoch immer alles am Geld.

Aber einfach in den ursprünglichen Alltag zurückkehren, als wären wir nie weggewesen, wollten und konnten wir nicht. Wir hatten auf unserer Reise so viel Schönes gesehen, aber auch so vieles, das zum Nachdenken anregte. In Costa Rica zum Beispiel sahen wir ein Mädchen ohne Arme. Die Mutter hatte während der Schwangerschaft auf den Ananasfeldern gearbeitet und zu viel Chemie abbekommen. In der Karibik erschraken wir über die teils zugemüllten Strände. Und immer wieder begegnete uns der extreme Clash von dekadentem Reichtum und bitterer Armut. Solche Eindrücke hinterlassen Spuren. Und sorgen dafür, dass du deine Lebensweise hinterfragst.

Also habt ihr ein neues Projekt gestartet: Aus der Familie auf Weltreise wurde eine „minimalistische Familie“.

Michael: Wir haben nun wieder ein Dach über dem Kopf, die Kinder gehen zur Schule und wir auf die Arbeit. Aber unser Lebensstil hat sich nicht geändert: Über sechs Monate lang lebten wir aus vier Reisetaschen. Diesen Minimalismus haben wir auf unseren Alltag übertragen. Und wir versuchen, auf die Fußspuren zu achten, die wir auf dieser Welt hinterlassen.

Meine Frau und ich hinterfragen immer wieder, was wir tun. Und vor allem fragen wir uns, warum wir etwas tun. Die Idee mit der Familie auf Weltreise kam nach vielen Jahren Fernweh und die mit dem nachhaltigen und minimalistischen Lebensstil nach der Reise. Wir sind quasi im organischen Wandel ????

Dann ist die Zeit in Deutschland vermutlich „nur“ eine Station?!

Michael: Das kann man so sagen. Wir wollen auswandern. Die Fehlerrunde haben wir hinter uns. Jetzt können wir nochmal planen, sparen und dann weg. Ein Haus am See in Kanada. Viele Bücher und unsere Laufschuhe.

Klingt traumhaft! Natur hautnah, oder?

Michael: Es gibt doch nichts Schöneres, als Zeit in der Natur zu verbringen! Als Familie auf Weltreise haben wir das noch mehr zu schätzen gelernt. Die Ruhe. Gerne auch mal weit weg von anderen Menschen einfach das Hier und Jetzt genießen.

Ich bin kein Outdoor-Spezialist. Aber ich will draußen sein. Durch das „Nachdraußengehen“ lernt man so vieles. Und das kann ich jedem nur empfehlen: Leute, fangt an zu lernen ?

Lernen – super Stichwort ? Sicher habt ihr aus der Zeit als Familie auf Weltreise einiges über die Freiheit gelernt. Dazu noch kurz unser freigeist-Dreier:

1) Was bedeutet „Freigeist sein“ für Dich?

Michael: Frei von Erwartungen leben. Unsere Gesellschaft hier im „reichen Europa“ gibt uns viele Ziele vor: ein Haus kaufen, ein Auto haben, Karriere machen und die Kinder müssen am besten mindestens Doktor werden. Warum? Macht uns das glücklich? Im neuen Job nach der Reise gehe ich zum Beispiel viel offener mit dem Thema Entlassung um. Es macht mich viel glücklicher und freier in der Arbeit, wenn ich weiß, ich bin hier nicht angekettet.

2) Wann fühlst Du Dich frei?

Michael: Wenn die Luft klar ist, die Beine schmerzen und der Horizont nicht endet.

3) Wenn Du eine Sache auf der Welt verändern dürftest: Was wäre das?

Michael: Ich würde die Grenzen abschaffen. Welche? Alle!

Noch mehr mutige Gedanken, Inspirationen fürs Reisen als Familie und kleine große Taten findet Ihr auf www.familiemettler.de. Herzlichen Dank für die interessanten Einblicke! Wer Lust hat, noch mehr übers Aussteigen und Neustarten zu lesen, dem sei der letzte Teil unserer Freigeister-Reihe über Nomads & Rebels wärmstens empfohlen.

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